Wie steht Ihr zu Oris mit höherem Schnitt?

Allgemeine Hinweise zu Veranstaltungen, Online-Ori's oder Veranstaltungsvorschläge dürfen hier unterbreitet werden.

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Wie steht Ihr zu Oris mit höherem Schnitt?

Ungelesener Beitragvon Frankenstein » 18. 1. 09. 19:53

Ich habe den Eindruck, dass das Forum hier in tiefen Winterschlaf gefallen ist. Hier mal ein Versuch, diese Winterstarre zu beenden:

Zum Abschluss der letzten Saison gab es eine vehement geführte Diskussion über die Höhe der Bestrafung für Karenzüberschreitung. Auslöser war ein Bericht, in dem die Höhe der Strafpunkte für Inanspruchnahme der Karenz etwas provokativ in Frage gestellt wurde. Ich hatte damals klar Stellung bezogen, dass in meinen Augen jede Strafpunktzahl, bei der das Verhältnis Minute zu SK größer 1:10 ist, dem Sinn des Orientierungssports zuwider läuft. Es gab aber auch Meinungen, die dem widersprochen hatten und den Hebel nicht bei der Punktvergabe, sondern beim Schnitt der Veranstaltung ansetzen wollten. Die Philosophie war, dass auch jedes unerfahrene Nachwuchsteam in der Lage sein sollte, eine Veranstaltung in der Sollzeit zu schaffen, sodass die Inanspruchnahme der Karenz die ganz große Ausnahme bleiben müsse, was dann natürlich bedeutet, dass die Spitzenteams regelmäßig eine Unmenge Vorzeit zur Verfügung haben. Resultierend aus dieser Diskussion kam es sogar soweit, dass der Schirmherr einer renommierten Veranstaltungsserie sich dafür einsetzen will, dass jeder Veranstalter, der bei seiner Ori einen Schnitt von 25 km/h überschreitet, für das folgende Jahr von der Veranstaltungsserie auszuschließen sei.

Auch wenn ich persönlich aus Zeitgründen nur noch in der Lage bin, maximal fünfmal im Jahr als Teilnehmer an den Start zu gehen, verfolge ich die Szene als interessierter Beobachter. Das neue Jahr ist noch gar nicht alt und schon haben zwei höchst interessante Veranstaltungen stattgefunden. Und was mir da aufgefallen war, hatte mich dazu veranlasst, diese Diskussion zu starten: Denn bemerkenswert war, dass bei beiden Veranstaltungen ein deutlich höherer als ein 25er Schnitt zugrundegelegt war. Es sollte betont werden, dass es sich zweifellos um kompetente Veranstalter gehandelt hat, die sehr wohl wissen, was sie tun. Denn nach 38 Jahren über die Kompetenz eines Fahrtleiters noch ein Wort zu verlieren, hieße Eulen nach Oberfranken zu tragen. Die zweite Ori war zwar eine Erstlingsveranstaltung. Aber dass auch deren Fahrtleiter Thomas S. über die notwendige Kompetenz verfügt, habe ich persönlich feststellen dürfen, als ich im Herbst 2005 nach längerer Pause erstmals wieder eine Ori veranstaltet hatte. Bei dieser Ori konnte sich Thomas unter 47 Startern als Gesamtsieger durchsetzen.

Beide Veranstalter haben mit der Festlegung eines höheren Schnitts bewusst das Konzept so gewählt, dass auch die erfahrenen Teilnehmer Minuten fangen werden, aber das Strafpunktverhältnis zwischen gefangener Minute und SK-Fehler mit Augenmaß so festgelegt, dass eine leistungsgerechte Wertung dabei herauskam. Übrigens um eine Leistung zu beurteilen, gibt es ja ein Naturgesetz: P=W/t (Leistung ist Arbeit geteilt durch Zeit). Das heißt auf den Orisport bezogen, wer hat in welcher Zeit die beste Arbeit abgeliefert.

Mir ist klar, dass dieses Konzept natürlich nur dann funktioniert, wenn die erforderlichen Rahmenbedingungen passen. Wie im Fall der ersten Ori, wo über Jahre ein vertrauenvolles Verhältnis zu Genehmigungsbehörde und Polizei aufgebaut worden ist. Außerdem klappt sowas natürlich auch nur, wenn man das geeignete Wegenetz zur Verfügung hat, das Ganze nachts in dünn besiedeltem Gebiet durchführt wird und das zu einer Jahreszeit, in der selbst Hundebesitzer sich nur so weit aus dem Haus bewegen wie unbedingt nötig. Bei unserer Veranstaltung, der Frankenstein-Ori in Darmstadt-Eberstadt, würde das nicht funktionieren. Wir befinden uns mitten in einem Ballungsgebiet. Auch aufgrund des selbstgewählten Termins als Tagesveranstaltung im Spätsommer vorwiegend auf asphaltierten Straßen, wäre solch ein Konzept undenkbar. Ich selbst habe hier im Forum schon warnend den Finger gehoben, wenn Veranstalter durch falsche Zeitvorgaben (und natürlich auch durch nicht sinnvolle Strafpunktregelung) Teilnehmer zu Straßenrennen veranlassen. Was bei der einen Veranstaltung funktioniert, wäre bei der anderen unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen unverantwortlich.

Da Veranstalter Oris in erster Linie für die Teilnehmer machen, würde mich jetzt Folgendes interessieren. Ist es von Teilnehmerseite gewünscht, dass eine Veranstalterserie zur Vereinheitlichung strenge Vorgaben wie z.B. über den Schnitt vorgibt, was soweit führen kann, dass Abweichler abgestraft werden sollen (beide Oris gehören nicht zu der Serie. Aber mal angenommen dass, sollte man sie dann rausschmeißen?). Oder ist der Teilnehmer dankbar für eine Vielfalt unterschiedlicher Veranstaltungskonzepte, abhängig von Jahreszeit, Wegenetz und Genehmigungssituation. Wie steht Ihr allgemein zu strengen Reglementierungen, die eventuell die Kreativität eines Fahrtleiters einschränken könnten?

Wenn man sich die Starterzahlen (117 in bei der einen, 37 bei der anderen) ansieht, ist die Frage nach der Reglementierung des Schnitts eine eher rhetorische. Da sprechen die Zahlen alleine schon eine deutliche Sprache. Trotzdem würde ich eine rege Diskussion begrüßen.

P.S: An die Teilnehmer beider Veranstaltungen: Was habt Ihr an Feedback von Nachwuchsteams mitbekommen. War die Karenzzeit ausreichend bemessen, damit bei diesen Teams keine Frusterlebnisse aufkamen?
Zuletzt geändert von Frankenstein am 19. 1. 09. 0:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie steht Ihr zu Oris mit höherem Schnitt?

Ungelesener Beitragvon georgriedel » 19. 1. 09. 0:04

Frankenstein hat geschrieben:"...außerdem klappt sowas natürlich auch nur, wenn man das geeignete Wegenetz zur Verfügung hat, das Ganze nachts in dünn besiedeltem Gebiet durchführt wird und das zu einer Jahreszeit, in der selbst Hundebesitzer sich nur so weit aus dem Haus bewegen wie unbedingt nötig. Bei unserer Veranstaltung, der Frankenstein-Ori in Darmstadt-Eberstadt, würde das nicht funktionieren. Wir befinden uns mitten in einem Ballungsgebiet. Auch aufgrund des selbstgewählten Termins als Tagesveranstaltung im Spätsommer vorwiegend auf asphaltierten Straßen, wäre solch ein Konzept undenkbar."

Genau so ist es. Und darum sollte man auch kein Zitroneneis mit Schokoladeneis vergleichen. Beides schmeckt, doch nicht unbedingt jedem gleich gut.

Lieber Frankenstein, mir sind Berichte wie sie Patrick Weber und vordem Florian Reuter verfaßt haben, etwas zu reißerisch, ehrlich gesagt. Und ob man hieraus große Diskussionen über Konzepte und Aufgabenstellungen führen kann (führen sollte), möchte ich gleichfalls bezweifeln. Ich sehe auch nach gründlicher Überlegung keinen Sinn darin. Wem wäre damit geholfen?

Laßt doch jeder Veranstaltung ihren Charakter und ihre Teilnehmer. Man geht mit Erwartungen in einen Film, zahlt seinen Eintritt und geht enttäuscht nach Hause, während der Sitznachbar ganz begeistert davon erzählt. Das selbe geschieht im Grunde mit einem Ori-Teilnehmer. Er "riskiert" sein Startgeld, fährt eine Veranstaltung und kommt wieder oder auch nicht. So einfach.

Gruß Georg R.

P. S. Ich wurde im obigen Forums-Beitrag schon des öfteren namentlich genannt, genauso wie auch die Sewastopol angesprochen wurde. Grundsätzlich nichts dagegen. Allerdings lege ich für mich persönlich wie auch für meine Veranstaltung nicht den geringsten Wert darauf in weiteren Beiträgen hier als Referenzperson bzw. -objekt zu dienen.
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Re: Wie steht Ihr zu Oris mit höherem Schnitt?

Ungelesener Beitragvon Frankenstein » 19. 1. 09. 0:47

georgriedel hat geschrieben:Genau so ist es. Und darum sollte man auch kein Zitroneneis mit Schokoladeneis vergleichen. Beides schmeckt, doch nicht unbedingt jedem gleich gut.
.....
Laßt doch jeder Veranstaltung ihren Charakter

Hallo Georg,
Ich habe mir eine Meinung über Eure Veranstaltung nicht nur aus dem o.a. Bericht gebildet, und du wirst aus meinem Beitrag hoffentlich auch ein Stück Bewunderung herausgelesen haben.

Genau um das, was Du geschrieben hast, geht es mir eigentlich auch. Mir war es wichtig aufzuzeigen, dass unterschiedliche Veranstaltungen unterschiedlichen Charakter haben sollen. Denn es gibt eine Menge Teilnehmer, die gerne Zitroneneis und Schokoladeneis essen wollen. Der Versuch, durch zuviel Reglementierung eine Standardisierung vorzunehmen, würde zu einem Einheitsbrei führen und diese Vielfalt zerstören. Sorry, dass Deine Veranstaltung dazu als vorbildliches Beispiel gedient hatte.

georgriedel hat geschrieben: Ich wurde im obigen Forums-Beitrag schon des öfteren namentlich genannt, genauso wie auch die S********* angesprochen wurde. Grundsätzlich nichts dagegen. Allerdings lege ich für mich persönlich wie auch für meine Veranstaltung nicht den geringsten Wert darauf in weiteren Beiträgen hier als Referenzperson- bzw. objekt zu dienen.

Habe ich verstanden. Ich habe deshalb meinen Beitrag in dieser Hinsicht abgeändert.
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Re: Wie steht Ihr zu Oris mit höherem Schnitt?

Ungelesener Beitragvon michl » 20. 1. 09. 0:34

die Schnittangabe allein, ist eine Zahl, die für sich allein nichts aussagt.
ich bin schon ORIs mit 25 Schnitt gefahren, und hab eine Stunde Karenz gebraucht
eine andere mit sehr hohem Schnitt mit fast 0 Karenz beendet.

erst im Zusammenhang mit der Aufgebenstellung, und der zu befahrenden Strecke kann man erkennen, ob dieser Schnitt zu den Augfgaben und der Strecke passt.

einer hat einsame Wege und Straßen, die flott zu fahren sind, evtl. auch ein Stück Autobahn
der ander findet nur Straßen im Ballungsraum, evtl. mit vielen Radfahrern und Fußgängern.

wenn die Aufgaben schwerer sind, muß der Schnitt nach unten, die Zeit, um kürzere Wege zu messen muß auch sein
zur Karenzbestrafung bevorzuge ich eine möglichst geringe Bestrafung, als ideal halte ich das Verhältnis von 20 min zu einer Kontrolle

wichtig ist, es muß zu schaffen sein.

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Re: Wie steht Ihr zu Oris mit höherem Schnitt?

Ungelesener Beitragvon Patrick » 20. 1. 09. 9:03

Auch ich wünsche ein frohes neues Jahr an alle die sich in ORIE.de an der ein oder anderen Stelle beteiligen.

Aber jetzt zu den beiden ersten Veranstaltungen im Jahr 2009, die ich beide gefahren bin und deshalb auch meinen Eindruck der jeweiligen Veranstaltung hier in ORIE.de beschrieben habe. Ich würde mir wünschen auch andere Teilnehmer würden Ihre Sicht einer gefahren Veranstaltung hier in ORIE.de beschreiben, damit nicht nur immer mein Eindruck einer Veranstaltung hier erscheint. Aber ich glaube, dass ich es ziehmlich auf den Punkt bringe, wie eine Veranstaltung abgelaufen ist, und deshalb sich kein weiterer Teilnehmer die Mühe macht sich hinzusetzen und seine Eindrücke niederzuschreiben. Mir macht es aber Spaß sowohl viele Ori`s zu fahren, als auch am Sonntag danach hier in ORIE.de meine Eindrücke und meine gemachten Fehler bei der Veranstaltung kunt zu tun.

Die Sewastopol in Helmbrechts ( Bayern ) habe ich in 2008 zum ersten mal gefahren. Und war sowohl von der Art der Veranstaltung, als auch dem ganzen drum und dran begeistert. Wie viele andere Teilnehmer auch, die ich kenne. Leider schreiben die nicht in ORIE.de. Und weil es uns ( auch Sonja ) so gut gefallen hat, wie diese Veranstaltung sowohl Fahrer und Beifahrer fordert, sind wir wieder hingefahren. Denn der Spaß bei einer Ori steht bei uns im Vorderdrund. Ok, ich weiss, ich bin auch ergeizig. Und wir werden wieder nächstes Jahr nach Helmbrechts fahren, um wieder eine einzigartige Ori-Veranstaltung zu fahren.

Jetzt zur Ori vom Thomas Schultz. Auch er ist die Sewastopol in Helmbrechts in 2008 zum ersten mal gefahren. Beide wurden wir angestiftet von Klaus und Florian Reuter, die schon mehrere Jahre dort fahren. In 2008 waren die Wetterverhältnisse so supergeil, dass Thomas Schultz Fahrer ( Dirk Rosam ) beim Abendessen nach der Veranstaltung nicht mehr aus dem schwärmen heraus kam. Fahrspass pur für einen Vollblutrallyefahrer. Eine vordere Platzierung war in 2008 noch nicht möglich. Ich sage nur Halbpfeile. Aber in diesem Jahr zeigten die beiden uns wie es geht, mit dem 3. Gesamtplatz. Und bei so viel Fahrfreude und Spaß bei einer gut organiesierten Veranstaltung wie es die Sewastopol einfach ist, übernimmt man gerne auch dessen Konzept. Man ist ja auch 400 km weg. Um auch mal von dem Standard weg zu kommen. 3 Stunden für 75 km. Was nicht heißt, das dies schlecht ist.

Denn wenn ich eine Frankenstein-Ori fahre weiß ich auf was ich mich einlasse. Beste Vorbereitung der Veranstaltung durch den Fahrtleiter. Knifflige Aufgaben, und somit sind auch hier die 75 km in einem 25iger Schnitt kaum zu schaffen. Und so soll es doch sein. Oder die Ori in Schorndorf letztes Jahr im Oktober. Klare Aufgabenstellung. Keine versteckten Tricks, und trotz 3 Stunden 45 Minuten Fahrzeit für rund 75 km hatte der spätere Sieger 4 Fehler gemacht. Zeit genug hätte er doch gehabt, jeden Weg auch zweimal zu fahren.

Über die 37 Teilnehmer war auch Thomas Schultz überrascht, besonders über die 20 Anfänger. Sie mussten sogar noch Bordbücher kurzfristig nachdrucken. Die Anfänger fuhren die Ori in einer anderen Form. Nicht die gleiche Länge und viel einfacher gemacht. An jedem Wurm oder Pfeil stand die genaue Reihenfolge und die Anfänger sind auch nur 65 km gefahren und wie ich mir erzählen hab lassen, die Zeit war gut zu schaffen. Der Sieger hatte sogar Null Strafpunkte. Siehe Ergebnisliste auf http://www.rc-rhein-lahn.de.

Ich finde es gut, dass es viele verschiedene Konzepte den Ori-Sport bereichern. Und wie schon gesagt, wem`s gefallen hat kommt nächstes Jahr wieder. Und würdigt so den Veranstalter für seine gute Arbeit aus dem Vorjahr. Bei der Sewastopol in Helmbrechts können sogar nicht alle fahren die auch vorgennant haben. Das würde ich mir auch wünschen. Aber ich werde erst mal versuchen eine schöne, knifflige 222-Minuten-Ori am 19. September auf die Beine zu stellen und der Vorgabe des ORI-SÜDWEST-POKAL Rechnung zu tragen und einen 25iger Schnitt vorgeben. Aber für die Profis wird es etwas schwieriger sein. Ich freue mich schon.


Gruss
Patrick Weber
HAC Simmern
222-Minuten-Ori
Patrick
 


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